Rosenkranz und Güldenstern sind tot
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Zwei Zuschauer werden als Nebenfiguren in die Handlung eines berühmten europäischen Klassikers involviert. Die Inszenierung dieses Stücks findet statt – jedoch nicht auf dieser Bühne. Ein Nebenschauplatz wird zum Zentrum der Aufmerksamkeit, wo mehr Formfragen der Darstellung als die eigentliche Handlung des Shakespeareschen Dramas ausgetragen werden.

Dabei handelt es sich nicht um interaktives Theater: Die involvierten Zuschauer sind Darsteller, denen in der Inszenierung kein Spielraum für eigene Entscheidungen eröffnet wird. Auf ihre Handlungsunfähigkeit reagieren sie mit Passivität. Der Ablauf des Stücks ist vorgegeben und von den Figuren nicht mehr zu beeinflussen. Alle Versuche, sich gegen dieses Diktat aufzulehnen, scheitern kläglich.

Auf Basis von Edward Gordon Craigs Konzept der Übermarionette soll die für ein zeitgenössisches Publikum problematische Dramaturgie der Katharsis abgelöst werden durch eine komplette Stilisierung der Figuren. Statt dem Versuch einer realistischen Darstellung, die dem Publikum eine Identifikation ermöglichen sollte, wird durch das Ausstellen der Künstlichkeit die Distanz zur Realität erhöht.

Ein Stück, das die Brechung zum Prinzip macht, scheint jedwelcher musikalischer Untermalung überdrüssig zu sein. Ebendiese Unvereinbarkeit soll der Leitfaden für die musikalische Ebene der Aufführung sein. Eine Bühnenmusik als Störung des theatralen Geschehens, als Produkt willkürlicher Regieentscheide.

Ensembles, die sich mit Renaissance-Musik beschäftigen sind beinahe alle der jungen Tradition der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet, das heisst, sie verfolgen die Idee, mittels Urtexten und alten Instrumenten möglichst nahe an der Klanglichkeit vergangener Zeiten zu sein. Auch wenn viele Interpreten erkennen, dass diese Idee mehr als illusorisch ist, haftet sie dieser Aufführungstradition doch an. Diese historische Versessenheit hat gerade in der Musik viel Positives bewirkt, ist aber immer noch naiv verklärt. Wenn das Renaissance-Ensemble dann auch noch mit historischen Kostümen ihre Performance unterstreichen will, befindet man sich endgültig im Bereich des Absurden, Absurdes Theater eben.

Aufführungen

Mittwoch, 18.01.2012 um 20:30
Donnerstag, 19.01.2012 um 20:30
Freitag, 20.01.2012 um 20:30
im Tojo Theater

Freitag, 27.01.2012 um 19:00
im Medien- und Kulturhaus Lÿz, Siegen
Ensemble

Regie

Johanna Hilari
Martin Obrist

Musikalische Leitung
Moritz Achermann
 
Bühne, Masken, Grafik
Angela Wüst
 

Kostüme
Sandro Ilg
 

Schauspiel
Julia Haenni
Sandro Ilg
Tiziano Martini
Martin Obrist
Maximilian Pahl
Thea Reifler
Dominic Wüthrich
 

Musik
Moritz Achermann
Florian Bär
Luisa Hafner
Jürg Stähli
 

Licht
Kevin Schneeberger
 

tontechnische Beratung
Fabio Rämi
 

technische Assistenz
Andrea Loppacher


Mit freundlicher Unterstützung von