Rien ne va plus
1 / 21
Wenn die Kugel rollt, die Karten verteilt werden oder die Spielauto- matenchiffren surren pocht das Herz schneller und der Adrenalinpegel steigt. Die Kontrolle wurde abgegeben, nur die Hoffnung gilt als Pfand. Werde ich gewinnen? Ich, über all die anderen obsiegen? Die Hoffnung wird zum Drang, der Drang zur Obsession. Den Weg heraus, den gilt es zu finden, vorbei an den Spieltischen, den Slotmachine und den Walzgeräten. Aber bin ich nicht eben vor 10 Minuten an diesem Super-Cherry-Automaten vorbeigegangen? Die Luft hält eine konstante Temperatur- und Luftfeuchtigkeit, die Angestellten sind höflich und bieten Häppchen und Getränke an und so spät kann es schliesslich auch noch nicht sein, zumindest gibt es keine Uhren oder Fenster, die das Gegenteil beweisen würden, warum also nicht noch ein Spielchen wagen? Ist doch ganz schön hier.

Der Minotaurus hinter dem New Generation Touch Bet Roulette grinst süffisant, schüttelt seinen schweren Kopf und wendet sich wieder den rot und schwarzen Zahlen zu, das Menschenfressen hat er inzwischen aufgegeben. Herakles sitzt daneben und kritzelt unentwegt kleine Ziffern in sein Notizbüchlein, den Ariadnefaden hat er gegen Jetons eingetauscht. Von seiner Hand tropft Blut, in er Wand daneben ist ein Loch. Die Wände sind zu dick, Sicherheit wird hier gross geschrieben und regelmässig durch interne Testverfahren, europäische Prüfinstitute und die Eidgenössische Spielbankenkommission kontrolliert. Und schon kommt eine Putzkolonne und wischt. Wischt und wischt. Blut ist aber auch schwer rauszubekommen. Ich ruf kurz Mamma an und frag. Das Handy funktioniert nicht, die Empfangssignale sind gestört. Abgetrennt von der Möglichkeit mit der Aussenwelt Kontakt aufzunehmen, wendet man sich wieder dem Banditen zu, der einem nicht nur Geld sondern vor allem Zeit stiehlt. Aber da steh ich drauf. Also rauf mit dem Stein auf den Hügel, diesesmal schaff ich es bis oben. Sysiphos hat sich am Einarmigen Bandit erhängt, weil jetzt alle ihren Stein raufrollen wollen, wo bleibt denn da der Sinn?

Die unteren 10000 thematisieren das freiwillig gewählte goldene Labyrinth, ein Mutterleib 2.0. Nur ohne Sicherheitsnetz. Die Gruppe untersucht die Strategien die in Casinos und Spielhöhlen eingesetzt werden, macht sie sich zu eigen und wendet sie auf ihr Publikum an. Gibt es einen Theaterbesucher, der nicht mehr aus dem Theater kommen möchte und irgendwann vergisst, dass das alles nur für ihn gemacht ist?
Aufführungen

Mittwoch, 05.02.2014 um 20:30
Donnerstag, 06.02.2014 um 20:30
Freitag, 07.02.2014 um 20:30
Samstag, 08.02.2014 um 20:30
Villa Stucki
Ensemble

Dramaturgie, Regie
Géraldine Boesch
Martin Obrist

Bühnenbild, Printdesign
Angela Wüst

Musikalische Leitung
Tobias Borg

Licht
Kevin Schneeberger

Produktionsleitung
Iren Weber

Schauspiel
Chantal Dubs
Silja Gruner
Sarah Laupper
Anne-Sophie Mentha
Mike Nejedly
Maximilian Pahl
Simon Thöni
Dominic Wüthrich

Photographie
Angela Wüst
David Zehnder


Mit freundlicher Unterstützung von